Donnerstag, 30 Januar 2020 23:36

Keiner zog so grade Linien wie Jupp Schroer

M. Kleinrensing M. Kleinrensing

Am Freitag würde Jupp Schroer eigentlich das tun, was er seit vielen Jahren freitags abends tut: Mit seinen Kollegen vom Knobelclub 111 im Eilper Stübchen eine schöne Zeit verbringen. Ein bisschen knobeln, ein bisschen klönen, ein, zwei Bierchen. Dieser Freitag ist aber nicht wie jeder Freitag. An diesem Tag wird Josef, den sie beim TSV Fichte Hagen alle "Jupp" nennen, noch einmal groß gefeiert. Groß gefeiert, weil er letzten Samstag 90 Jahre alt wurde und weil er noch immer eine feste Größe im Vereinsleben des Traditionsclubs ist.

Der Verein TSV Fichte Hagen ist so ein wesentlicher Bestandteil im Leben des Jupp Schroer. Immerhin ist er dort seit acht Jahrzehnten Mitglied. Angefangen hat alles 1940, also zu Kriegszeiten. "Ich habe durch andere Kinder aus der Schule den Weg zur damaligen Germania Hagen gefunden.", erinnert sich Schroer, "das war damals schon eine gute Gemeinschaft und ich habe zunächst mit Fußball an der Wörthstraße angefangen."

Schon bald entdeckte er aber seine Liebe für den Feldhandball: "Und da unsere Erste damals in der Oberliga spielte, war ich immer häufiger am Struckenberg-Platz zu finden." Hier fühlte sich Jupp Schroer immer mehr zu Hause. Handball, das wurde zur neuen Leidenschaft. Ohne selbst aktiv gespielt zu haben, wurde er schon bald in den Vorstand der Abteilung gewählt. Und dann gab es da noch ein neues Betätigungsfeld. Der damalige Platzwart verabschiedete sich Anfang der 1950er Jahre in den Ruhestand und SChroer wurde neuer "Boss" auf dem idyllisch über Eilpe gelegenen Struckenberg. Und zusammen mit "seinen" Handballern schuf er dort eine neue Infrastruktur. "Umkleidekabinen, Waschraum, Geräteschuppen nahezu alles in Eigenleistung," wenn Schroer daran denkt, gerät seine Stimme ins Wanken.

Dabei hatte er selbst die besten Voraussetzungen für diesen Job. Als gelernter Klempner und Installateur arbeitete er ab Mitte der 1950er 36 Jahre bei den Hagener Stadtwerken im Außendienst. "Gas- und Wasserleitungen verlegen und deren Wartung, das war unser Job." Und dann die Aufgabe auf dem Struckenberg, wo er große Teile seiner Freizeit verbrachte. "35 Jahre haben wir in Delstern gewohnt und zum Platz und zurück bin ich fast immer zu Fuß," erinnert sich Schroer, räumt aber auch ein: "Keine leichte Zeit für meine Frau Christina, aber sie hat viel Verständnis gezeigt und mich auch öfters begleitet."

In den siebziger Jahren endete die Zeit des Feldhandballs, sehr zum Verdruss von Jupp Schroer: "Das waren schon tolle Zeiten in der Oberliga. Gegen Gevelsberg hatten wir einmal 5000 Zuschauer auf dem Struckenberg." Diese Zahl wurde auf der Anlage nur einmal getoppt, als die Fichte-Fußballer dort oben gegen den SSV Hagen antraten und 6000 Menschen kamen. 

Schöne, wenn auch anstrengende Erinnerungen verbindet er auch mit dem Struckenbergfest. Diese Leichtathletikveranstaltung mit bis zu 1000 Teilnehmern forderte vor allem vom Platzwart volles Engagement. Aber das war ihm ohnehin nie abzusprechen. "Der Verein kann sich freuen und wir sind stolz, ein so engagiertes Mitglied in unseren Reihen zu haben," so etwa Fichte-Vereinschef Reinhard Flormann, der betont: "so gerade Linien ziehen wie Jupp früher, kann heute kaum noch jemand."

So ist es auch kein Wunder, dass Jupp Schroer gemeinsam mit seinem Kollegen von der Wörthstraße, Helmut Siemes, im Jahr 2000 zum Ehrenplatzwart ernannt wurde und 2007 gar zum Ehrenmitlglied. Mit dem mittlerweile verstorbenen Siemes hat ihn dabei mehr verbunden, als nur die gemeinsame Liebe für die Kicker des FC Schalke 04. "Manche wollten da gern die Konkurrenz zwischen uns ein bisschen anheizen, aber wir haben uns immer bestens verstanden und waren gute Kollegen," stellt Schroer klar.

Und alle wünschen sich beim TSV Fichte Hagen, dass ihr "Jupp" ihnen noch einige Zeit erhalten bleibt. "Dass er hier auf dem Struckenberg so viel an der frischen Luft war, wirkt für seine Gesundheit wie ein Lebenselexier," glaubt etwa Fichte-Mitglied Uwe Faust, der das Ehepaar SChroer unter anderem bei Arztbesuchen betreut. Und gemeinsam werden sie am Freitag dann im Eilper Stübchen anstoßen, auf die guten alten Zeiten - und das, was da noch kommt.

Quelle: westafelenpost.de

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